Mobilität „on demand“

Mobilität "on demand"
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On-Demand-Services haben bereits viele Bereiche unseres Lebens nachhaltig verändert. Filme, TV-Serien und Musik sind nur einige Beispiele für alltägliche Dienstleistungen auf Abruf. In Zukunft wird es auch immer mehr Mobilitätsangebote „auf Bestellung“ geben. Im Folgenden beleuchten wir einige aktuelle Entwicklungen.

Wenn es um digitales Entertainment geht, sind On-Demand-Angebote längst Alltag. Filme und TV-Serien gibt es unter anderem bei Netflix oder Amazon Prime, Dienste wie Spotify oder Apple Music versorgen Musikfans mit Millionen von Songs. Alles auf Knopfdruck, jederzeit und mit passendem Endgerät auch nahezu überall. Wirft man einen Blick auf aktuelle Mobilitätstrends, so wächst auch hier das Angebot an entsprechenden Abrufdiensten. War es früher nur das klassische Taxi, welches bei Bedarf vor der Haustüre gehalten und Passagiere zum Zielort transportiert hat, gibt es heute bereits unzählige Mitfahrzentralen, Carpooling- und Ridesharing-Dienste. Und es kommen ständig neue oder erweiterte Angebote hinzu.

Nicht nur bla bla bla

Der 2006 gegründete Mitfahrdienst BlaBlaCar kommt aus Frankreich und ist mittlerweile in 22 Ländern verfügbar. Die Fahrtenvermittlungsplattform steht nun kurz davor, ihr Angebot so zu erweitern, dass auch Passagiere entlang der Fahrtroute mitgenommen werden können. Der erforderliche Algorithmus wird gerade getestet und soll in einigen Wochen auch in Deutschland zum Einsatz kommen. Dabei wird dem Fahrer unterwegs angezeigt, wie lang der Umweg wäre, um einen zusätzlichen potenziellen Passagier abzuholen. Man muss sich dann nicht mehr zwingend vor der Fahrt verabreden, sondern findet gegebenenfalls noch kurzfristiger eine Mitfahrgelegenheit. „On demand“ eben. Wie BlaBlaCar-Chef Nicolas Brusson gegenüber der Deutschen Presseagentur angab, eigne sich Deutschland aufgrund seines dichten Straßennetztes sehr gut für ein solches Angebot. (Quelle)

Dass das eigene Auto in der heutigen Zeit immer mehr an Stellenwert einbüßt (siehe auch unser Blogeintrag vom 05.06.2018), ist vielen Herstellern offensichtlich bewusst. Folglich wagen immer mehr Unternehmen selbst erste Gehversuche als Mobilitätsdienstleister, gründen oder investieren in entsprechende Start-ups. So testet beispielsweise die Volkswagen-Tochter MOIA einen App-gesteuerten Mitnahmeservice mit virtuellen Haltestellen in Hamburg, während Ford zusammen mit den Kölner Verkehrsbetrieben in der Rheinstadt einen On-Demand-Dienst mit Transit-Minibussen für Abende und Wochenenden plant.

Neue Mobilität, neue Geschäftsmodelle

Schon vor einiger Zeit haben BMW und Mercedes ihre Carsharing-Dienste zusammengelegt, um auf Dauer nicht als reine Zulieferer für Dienstleister wie Uber oder Didi zu fungieren. Und auch Toyota vollzog wohl einen ähnlichen Gedankengang und investierte jüngst 850 Mio. Euro in den asiatischen Fahrdienstvermittler Grab, an dem der japanische Autobauer vorher schon mit einer unbekannten Summe beteiligt war. Außerdem hält Toyota bereits ebenfalls Anteile an Uber und Japan Taxi, die jeweils ähnliche Services in unterschiedlichen Regionen anbieten. (Quelle)

Doch noch einmal zurück zu VW. Wie so ein Fahrdienst auf Knopfdruck in der Zukunft aussehen könnte, haben die Wolfsburger kürzlich mit ihrem autonom fahrenden Elektro-Auto SEDRIC demonstriert. Die Studie wurde bereits 2017 auf dem Genfer Autosalon vorgestellt und seitdem kräftig weiterentwickelt. Bei einer kürzlichen Präsentation für ausgewählte Journalisten fuhr SEDRIC auf einem VW-Gelände völlig autonom über eine mit Pylonen abgesteckte Teststrecke. Dabei holte der 2+2-Sitzer seine Passagiere durch simplen Tastendruck in der zugehörigen App selbstständig ab und chauffierte sie nach Betätigen der Go-Taste im Innenraum zielsicher und höchst komfortabel über den Parcours – und in Zukunft irgendwann einmal bis zur eigenen Haustüre, zum Shopping oder zum Geschäftstermin. Auch ein Einsatz als autonom fahrender On-Demand-Schulbus ist bereits in Planung. Als „Level-5“-Fahrzeug hat SEDRIC weder Pedale noch Lenkrad und fährt völlig autonom. (Quelle)

Der Volkswagen Konzern präsentiert mit dem SEDRIC School Bus die jüngste Variante seines Mobilitätskonzepts als ideales Transportmittel für Kinder und Jugendliche. (Foto: © Volkswagen Group)
Carsharing in zwei Varianten

Das Privatauto ist bequem und praktisch, steht aber in den meisten Fällen 90 Prozent der Zeit sinnlos herum. Mit dem Peer-to-Peer-Autovermietung Turo ist es bereits möglich, das eigene Fahrzeug weiterzuvermieten oder ein Fahrzeug von Privat on demand anzumieten. Bislang mussten dafür beide Parteien einen Treffpunkt für die Fahrzeugübergabe vereinbaren. Mit dem neuen Feature „Turo Go“ gehört dieser Schritt bald der Vergangenheit an, denn die Übergabe erfolgt dann schlüssellos per Turo-App. Somit wird der gesamte An- und Vermietungsvorgang mittels Smartphone abgewickelt. Perfekt, wenn man zum Beispiel auf Dienstreise oder im Urlaub ist und gerade dann eine Buchungsanfrage reinkommt. Anfang 2019 soll Turo Go in Deutschland an den Start gehen. Wer die Funktion als Vermieter nutzen möchte, muss vorher allerdings eine Zusatzhardware in seinem Auto installieren lassen. (Quelle)

Diese Hardware haben die Fahrzeuge des Noris Campus Carsharing powered by Choice bereits an Bord. Der jüngst in Nürnberg gestartete, stationsbasierte Service steht in der ersten Ausbaustufe allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Noris Campus in der Thomas-Mann-Straße zur Verfügung und bietet rund um die Uhr verfügbare Elektromobilität mit Fahrzeugen von Tesla (Model X und S). Auch hier läuft der gesamte Buchungsprozess schlüssellos über die zugehörige Noris Campus Carsharing App (verfügbar für Android und iOS).

Mobilität auf Abruf, aber nicht bis vor die Tür

Dass das Konzept „On Demand“ in der Realität noch einige Hürden zu überwinden hat, musste unlängst der Shuttle-Service Allygator feststellen. Bislang fuhr der Berliner Ridesharing-Dienst, bei dem sich mehrere Fahrgäste mit unterschiedlichen Start- und Zielpunkten ein Fahrzeug teilen, ab Abruf von Tür zu Tür. Dieses „Door2Door“-Prinzip wurde nun aber gekippt und testweise durch ein System mit virtuellen Haltestellen an Straßenkreuzungen ersetzt. Der Grund: Fahrer würden eine Straßenkreuzung schneller und einfacher finden als eine Hausnummer. (Quelle)

In Berlin halten die Shuttles von Allygator jetzt nicht mehr direkt vor der Tür, sondern nur noch an virtuellen Haltestellen an Straßenkreuzungen. (Bild: © Door2Door GmbH/Allygator Shuttle)

Eventuell steckt aber auch eine strategische Entscheidung hinter der Einschränkung, denn: Allygator strebt wohl eine Linienverkehr-Lizenz an. Und hierfür wären laut Personenbeförderungsgesetz feste Haltestellen vorgeschrieben. Unabhängig davon, was nun genau der Grund für den Kurswechsel war, gilt es im vorliegenden Fall trotz On-Demand-Funktionalität noch die berühmt-berüchtigte „letzte Meile“ zu überbrücken. Und der haben wir praktischerweise erst einen eigenen Beitrag gewidmet.

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