Spannungsgeladen: Neues rund ums Elektroauto

Welches ist das aktuell meistverkaufte Elektroauto? Welche Fahrdienste werden demnächst elektrisch unterwegs sein? Welche heimischen und ausländischen Start-ups drängen auf den umkämpften Markt? Und droht dem Verbrenner bald das Aus? Wir beleuchten die aktuellen Meldungen zur Elektromobilität.

Eine Million Elektroautos sollten bis zum Jahr 2020 auf deutschen Straßen unterwegs sein. Das war das anno 2010 von der Bundesregierung definierte Ziel. Aktuelle Zahlen belegen allerdings, dass daraus nichts wird. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Hórvath & Partners liegen wir aktuell bei 123.000 zugelassenen Elektroautos, gut die Hälfte davon rein elektrisch angetrieben. Bis Jahresende prognostiziert man 200.000, bis 2020 immerhin knapp 600.000 E-Auto-Zulassungen. 2022 könnten es dann aber schon ca. 1.5 Millionen sein. Grund hierfür sind die zahlreichen neuen Modelle verschiedenster Hersteller, die bereits in den Startlöchern stehen. (Quelle)

Doch zurück in die Gegenwart. Im ersten Halbjahr 2018 war das beliebteste Elektroauto der Deutschen … ein Franzose. Der Renault ZOE wurde von Januar bis Juni insgesamt knapp 2.700 Mal verkauft. Die aktuelle Nummer 1 kam bereits 2013 auf den Markt, verfügt über eine Reichweite von 400 Kilometer und wird ab einem Kaufpreis von knapp 22.000 Euro angeboten. Die meisten Förderanträge für den Umweltbonus – 1.749 an der Zahl – gingen somit ebenfalls an den ZOE. Generell verzeichnete Renault im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eine Steigerung von fast 15 Prozent bei den Zulassungen von reinen Elektrofahrzeugen. Ende Juni lag der Marktanteil von Renault in Deutschland bei 16,2 Prozent. Neben dem kompakten ZOE hat Renault unter anderem den Elektrotransporter Kangoo Z.E. sowie den Cityflitzer Twizy im Programm. (Quelle)

Elektroauto-Flotten von We und Uber

Im kommenden Jahr will Volkswagen zurück auf den deutschen Carsharing-Markt. Mit neuer Bezeichnung und Plattform („We“), internationalen Expansionsplänen und einer reinen Elektroflotte. Bezüglich der eingesetzten Fahrzeuge wurden aktuell zwar noch keine Details genannt, es ist aber davon auszugehen, dass zunächst die bereits erhältlichen Modelle e-Golf und e-up! genutzt werden. Schon bald werden dann vermutlich die futuristischen Flitzer aus der I.D. Familie hinzukommen.  Weitere Details möchte VW im August veröffentlichen. Dann dürfte bekannt werden, wie die Angebote genau aussehen und in welchen Städten sie verfügbar sein werden. (Quelle)

Elektroauto VW I.D.
Der I.D. soll als Elektroauto der Kompaktklasse im Jahr 2020 durchstarten. Foto: © Volkswagen AG

Mit einer reinen Elektroflotte wagt auch Uber einen zweiten Versuch in Deutschland. Der umstrittene Fahrdienstvermittler aus den USA operiert bereits seit März dieses Jahres unter dem Label Uber Green mit 30 Elektrofahrzeugen in München. Kunden können sich auf Wunsch mit einem E-Auto abholen und von professionellen Fahrern ans gewünschte Ziel bringen lassen. Ab Herbst soll dieses Modell auch auf Berlin ausgedehnt werden – weitere Städte nicht ausgeschlossen. Gefahren wird bei Uber Green mit dem eingangs erwähnten Verkaufsschlager Renault ZOE. (Quelle)

New Kid On The (Electric) Block

Ende des Jahres beginnt die Auslieferung des E-Stadtautos e.GO Life vom deutschen Hersteller e.GO Mobile. Das Start-up hat gerade das erste Elektroauto-Werk in Aachen eröffnet, in dem jährlich 10.000 Fahrzeuge vom Band laufen sollen. Und es sind bereits weitere Produktionsstätten in Planung, in denen dann unter anderem auch der E-Kleinbuss e.GO Mover gefertigt werden wird. Drei Varianten sind vom e.GO Life erhältlich. Die Basisversion e.GO Life 20 mit 20 kW Leistung und einer Reichweite von 104 Kilometer kostet 15.900 Euro. Das Spitzenmodell eGO Life 60 kommt auf 158 Kilometer Reichweitere bei 152 km/h Top-Speed und schlägt mit 19.900 Euro zu Buche. Infotainmentsystem und Navi, letzteres erst ab 2019 erhältlich, kosten 1.200 bzw. 1.900 Euro Aufpreis. (Quelle)

Elektroauto e.GO Life
Flinker Flitzer: Den E.GO Life gibt es in der Basisversion ab 15.900 Euro. Foto: © e.GO Mobile AG

Während die Marke e.GO Mobile noch ein recht unbeschriebenes Blatt ist, dürfte das Unternehmen Tesla Inc. mittlerweile wirklich jedem Autofahrer ein Begriff sein. Nach zahlloser Kritik wegen der stockenden Produktion des günstigen Tesla Model 3 und der jüngsten Twitter-Entgleisung von Tesla-Chef Elon Musk kommt jetzt auch noch eine Hiobsbotschaft für etwa 800 deutsche Model-S-Käufer. Weil ihr Auto zu Unrecht gefördert wurde, fordert der Bund nun 2.000 Euro Umweltprämie von den Käufern zurück. Betroffen ist, wer seinen Model S zwischen dem 30. November 2017 und 06. März 2018 subventioniert gekauft hat. In diesem Zeitraum galt das Fahrzeug als nicht förderfähig, weil das günstige Basismodell nicht lieferbar war. Tesla selbst hat es scheinbar versäumt, bis Anfang Juli einen Lösungsvorschlag beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) einzureichen. Eine Stellungnahme seitens des Herstellers gibt es bisher ebenfalls nicht. (Quelle)

Chinesisch-deutsche Tesla-Konkurrenz

Das chinesische Start-up NIO hat seine Ziele hoch gesteckt. Gründer und Chef William Li will mit seinen Elektroautos in direkte Konkurrenz zu Tesla treten. Seine Strategie: Design und Konzeption „Made in Germany“, produziert – und vorerst auch verkauft – wird im Heimatland. Der chinesische Milliardär setzt dabei auf den guten Ruf, den deutsche Automarken trotz der Dieselaffäre in seinem Land haben.

Elektroauto NIO ES8
Das 7-Sitzer-SUV ES8 wird zunächst nur für den chinesischen Markt gebaut. Foto: © NIO GmbH

Den Anfang in der NIO-Serienproduktion macht der ES8, ein „7-Sitzer-Hochleistungs-Elektro-SUV“, das in München entworfen wurde. Zahlreiche Komponenten wie Fahrerassistenzsysteme, Steuergeräte und Sensoren kommen von Zulieferer Bosch. 355 Kilometer weit soll der ES8 mit vollem Akku kommen. Der Anschaffungspreis beläuft sich umgerechnet auf etwa 58.000 Euro. Zukünftig sollen aber auch günstigere Modelle folgen. Fun Fact: Mit dem EP9 hat NIO auch das derzeit schnellste rein elektrisch angetriebene Auto der Welt im petto. Dieser sprintete unter anderem in nur 6 Minuten und 45 Sekunden über die prestigeträchtige Nordschleife. (Quelle)

Die feine englische Art

Springen wir kurz von China nach Großbritannien. Welches Verkehrsmittel hat man sofort bildlich vor Augen, wenn man an London denkt? Richtig! Die ikonischen London Taxis. 300 von insgesamt 20.000 der sogenannten „Black Cabs“ fahren bereits elektrisch. Und da die London Electric Vehicle Company (LCEV) das London Taxi nur noch mit Elektroantrieb baut, wird die Zahl der Zulassungen in den nächsten Jahren stetig ansteigen. Das neue Modell trägt die Bezeichnung „TX“, ist voll beladen rund 130 km/h schnell und kommt mit Elektroantrieb auf eine Reichweite von 130 Kilometern. Da dies im Londoner Alltagsverkehr, zum Beispiel für Fahrten zum Flughafen Heathrow, nicht ausreichen würde, besitzen die neuen Modelle einen „Range Extender“. Dabei handelt es sich um einen Benzinmotor, der nicht das Fahrzeug, sondern einen Generator zum Laden der Batterie antreibt. Dank einer Kooperation zwischen LCEV und Volvo kommt das London Taxi vielleicht bald auch Deutschland. (Quelle)

Elektroauto London Taxi von LEVC
Zeitgemäße Technik in klassischem Gewand: Das elektrifizierte London Taxi. Foto: © LEVC

Seit Anfang des Jahres gilt für London bereits ein Zulassungsverbot für neue Taxis mit Dieselantrieb. Darüber hinaus hat die britische Regierung kürzlich ihre „Road to Zero Strategie“ (null CO2-Emissionen) vorgelegt. Demnach möchte man ab dem Jahr 2040 neue Autos mit Verbrennungsmotoren komplett verbieten. In England sollen zudem bis 2030 mindestens die Hälfte der neu zugelassenen Pkw „ultra-emissionsarm“, also reine E-Autos oder Plug-in-Hybride sein (Quelle). Auch die Vereinigung britischer Fahrzeugvermietungs- und Leasingfirmen (BVRLA) sieht vor, ihre Elektroflotte von derzeit 50.000 Fahrzeugen bis zum Jahr 2025 auf 720.000 auszubauen. Die BVRLA stellt im Straßenverkehr Großbritanniens jeden achten Pkw und jeden fünften Transporter. Daher hat ihre Entscheidung große Auswirkungen auf die dortige Verkehrswende. (Quelle)

Die Tage des Verbrenners scheinen gezählt

Großbritannien folgt damit dem Vorbild von Frankreich, wo ab 2040 Benzin- und Dieselfahrzeuge nicht mehr verkauft werden dürfen. In Norwegen, wo der Anteil an Elektro- und Hybridautos schon im letzten Jahr bei 40 Prozent lag, soll sogar schon 2025 Schluss sein mit neuen Verbrennern. In den Niederlanden ist es voraussichtlich 2030 so weit. Um abschließend wieder auf Deutschland zurückzukommen: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich bereits im letzten Jahr für ein langfristiges Verbot von Verbrennungsmotoren ausgesprochen. Allerdings hat die CDU-Chefin eine präzise Jahreszahl nicht genannt. Die Grünen fordern den Verkaufsstopp für 2030.

Eines aber gilt für alle Länder: Um den drohenden Verkehrskollaps in den Metropolen dieser Welt aufzuhalten, bedarf es mehr als nur die Wende hin zur Elektromobilität. Hier muss der Individualverkehr an kritisch hinterfragt und ein breites Angebot an Alternativen geschaffen werden. Ein bloßer Wechsel der Antriebstechnik macht zwar die Luft besser, aber die Straßen nicht leerer.

Titelfoto: Elektroauto Renault ZOE © Renault 2017

Noch keine Kommentare vorhanden.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.