Neue Wege gehen: Vermarktung im Digitalzeitalter

Hyundai Showroom Amazon Pressebild
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Ein digitaler Auto-Showroom, die Abkehr vom großen Möbelhaus, Bezahlung per Smartphone. Drei Beispiele von Hyundai, Ikea und Google zeigen, wie Hersteller und Dienstleister im Zeitalter der Digitalisierung neue Vertriebswege erschließen.

Früher einmal gab es dort nur Bücher, heute so gut wie alles. Dazu gehören nicht nur Neu- und Gebrauchtwaren aller Art, sondern auch Musik- und Videostreaming-Dienste sowie ein eigener Bezahlservice. Die Rede ist natürlich vom amerikanischen Versandhaus Amazon. Trotz immer wiederkehrender Negativschlagzeilen um Steuerflucht, Leiharbeit und Niedriglöhne kommt heute kaum noch ein Hersteller oder Händler am Online-Riesen vorbei. Im Sommer 2016 startete Amazon mit Amazon Vehicles zudem eine digitale Automobilplattform. Diese richtet sich bisher nur an Kunden aus den USA und dient als zentrale Anlaufstelle für potenzielle Autokäufer. Während Amazon selbst dort (noch) keine Fahrzeuge verkauft, lassen sich auf der Plattform Informationen zum Wunschauto einholen, Spezifikationen überprüfen und Rezensionen von Fahrzeugbesitzern lesen. Die Palette reicht dabei vom Kleinwagen bis hin zu Mini-Vans und Lieferwagen.

Hyundai Showroom Amazon Vehicles
Ein Blick in den digitalen Hyundai-Showroom auf Amazon Vehicles. Bild: Screenshot Amazon Vehicles Website

Neu in der Auto-Rubrik von Amazon ist jetzt auch Hyundai. Der südkoreanische Hersteller hat unter Amazon.com/Hyundai einen neuen digitalen Showroom eingerichtet. In diesem lassen sich nicht nur Preise vergleichen, sondern auch nahegelegene Hyundai-Händler suchen, deren Fahrzeugbestände einsehen und sogar Probefahrten buchen. Man möchte dem Kunden damit „eine reibungslose, effiziente und transparente Erfahrung in einem sich verändernden Markt“ bieten, so Dean Evans, Chief Marketing Officer von Hyundai Motor America. Im Rahmen der Aktion „Prime Now, Drive Now“ hat Hyundai bereits 2016 mit Amazon zusammengearbeitet und Probefahrten über Amazon Prime Now angeboten. Ob Amazon selbst irgendwann mit dem Vertrieb von Fahrzeugen beginnt, ist noch unklar. Jedoch könnte man die jüngste Kooperation mit Hyundai durchaus als einen weiteren Schritt in diese Richtung ansehen. (Quelle)

Das Ende der großen Warenhäuser?

Immer wieder liest man in den letzten Wochen und Monaten Artikel, in denen das Ende des klassischen Autohauses prognostiziert wird (Beispiel). Die obige Meldung gießt hier natürlich nochmals reichlich Öl ins Feuer. Aber nicht nur das Autohaus, sondern auch das Möbelhaus könnte in seiner jetzigen Form langsam zum Auslaufmodell werden. Dennis Balslev, Deutschland-Chef des schwedischen Möbelgiganten IKEA, hat vor Kurzem alle Bauvorhaben für weitere traditionelle IKEA-Filialen gestoppt. Ein Möbelhaus in Karlsruhe wird noch gebaut, weil die Arbeiten schon zu weit fortgeschritten sind. Danach soll Schluss sein mit dieser Art der Expansion. Rückläufige Besucherzahlen und starke Zuwächse bei Online-Bestellungen bewegten Balslev zur strategischen Neuausrichtung.

Ikea Einrichtungshaus in Eching
Im Jahr 1974 eröffnete der schwedische Möbelhersteller in Eching bei München das erste deutsche IKEA-Einrichtungshaus. Foto: © IKEA/privat

Im Fokus steht nun der massive Ausbau des Internethandels und der nötigen Infrastruktur. Mit einer für Smartphones optimierten Homepage und neuen Apps möchte man das digitale Einkaufserlebnis verbessern und den E-Commerce-Sektor weiter ankurbeln. Kunden sollen ihre Wohnung zukünftig mittels Smartphone und Augmented-Reality-App scannen und IKEA-Möbel virtuell in der Umgebung platzieren können. Die gewählten Artikel können bei Gefallen dann direkt aus der App heraus bestellt werden. Zudem sollen Filialen näher an die Kunden heranrücken. Balslevs Pläne: kleinere Innenstadt-Häuser und Verkaufspunkte, die für jedermann in 15 bis 20 Minuten erreichbar sind, mit regional angepasstem Sortiment. Spannend! Und noch eine überaus erfreuliche Randnotiz: Bis zum Jahr 2020 möchte IKEA sämtliche Einweg-Plastikprodukte aus dem Sortiment und den Ladenrestaurants verbannen. Nur der Katalog – der soll aufgrund seiner enormen Popularität bleiben. (Quelle)

Der nächste Schritt weg vom Bargeld

Während Hyundai und Ikea bei der Vermarktung ihrer Produkte neue Wege beschreiten, revolutionieren Google und Apple die Art, wie wir für Waren bezahlen. Dreh- und Angelpunkt: das Smartphone. Mit Google Pay ist Ende Juni 2018 der erste Smartphone-Bezahldienst in Deutschland gestartet. Besitzer eines Android-Telefons können nun statt der Kreditkarte das Handy fürs bargeldlose Bezahlen an das Kassenterminal halten. Das funktioniert anders als bei Banking-Apps ohne vorherige Aufladung. Voraussetzungen sind allerdings das Betriebssystem Android 5.0 oder höher, die Installation der Google Pay App sowie eine Kreditkarte von einer mit Google kooperierenden Bank. Mit Girokarten funktioniert der Dienst bislang nicht. Praktisch: Bei Beträgen unter 25 Euro muss der Kunde zum Bezahlen noch nicht einmal das Display entsperren.

Google Pay
Einfach drüberhalten: bequem und schnell bezahlen mit Google Pay. Foto: © VISA, All rights reserved

Anders als in Asien oder auch Afrika steht man mobilen Bezahldiensten in Deutschland noch sehr skeptisch gegenüber. Dennoch sind bereits gut 60 Prozent der hiesigen Kassensysteme für Google Pay umgerüstet. Die Kreditkartennummer wird beim Bezahlen nicht an das Geschäft übertragen, sondern nur ein verschlüsselter Code. Allerdings werden die Daten des Nutzers auf den Google-Servern gespeichert. Wer der Datenkrake Google beim Bezahlen nicht vertraut, kann auf zahlreiche Alternativen zurückgreifen. Mehrere Banking-Apps haben bereits ähnliche Funktionen an Bord. Marktführer in Deutschland ist Payback Pay. Das System des Bonusprogramms funktioniert allerdings nicht über den NFC-Chip im Smartphone, sondern nutzt QR-Codes zur Übertragung der Bezahldaten. Google-Konkurrent Apple hat bereits im Herbst 2014 einen ähnlichen Dienst für seine iPhones und Smartwatches gelauncht. Dieser ist aktuell aber noch nicht in Deutschland verfügbar, einen Starttermin gibt es bislang nicht. (Quelle)

Titelfoto: © Hyundai Motor America

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