eMobility-News: Neuigkeiten rund ums Elektroauto

Laternenladesäule von Ubitricity

Von ultrakompakt bis megaschnell, von Retrolook bis Zukunftsvision – aktuell überschlagen sich die Meldungen zu neuen vollelektrischen Flitzern. Im folgenden Beitrag fassen wir einige der interessantesten Entwicklungen auf dem rasant wachsenden Elektroauto-Markt zusammen.

280 Millionen Elektroautos weltweit bis zum Jahr 2040 prognostiziert das Researchhaus Wood MacKenzie in einer aktuellen Studie zur Entwicklung des E-Auto-Marktes. Vergleicht man diese Zahl mit dem Wert vom Jahresende 2017 (3 Mio. E-Fahrzeuge), so zeichnet sich ein eindeutiges Bild davon, wo die automobile Reise hingeht. Auch subjektiv betrachtet geht es mit großen Schritten voran. Mittlerweile gibt es fast täglich Meldungen zu neuen Elektroautos, Startups und Entwicklungen. Auf einige davon möchten wir gleich noch näher eingehen. Zudem haben wir dem Thema vor ein paar Wochen bereits einen Beitrag gewidmet. Doch noch einmal zurück zur Studie: Erwartungsgemäß wird Asien mit 117 Mio. Fahrzeugen an der Spitze des E-Auto-Durchbruchs stehen. Dahinter sollen laut der Analysten Europa (79 Mio.) und die USA (71 Mio.) folgen. Interessant: Laut Wood MacKenzie starten Europa und die Vereinigten Staaten erst ab 2025 so richtig zu einer späten Aufholjagd auf die marktbestimmenden Asiaten. (Quelle)

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt, wenn auch in deutlich kleinerem Rahmen, das KfW-Energiebarometer 2018. Hierbei handelt es sich um eine repräsentative Umfrage zum Thema Energiewende bei etwa 4.000 deutschen Haushalten, durchgeführt durch das Institut für angewandte Sozialwissenschaft (infas). Die Studie gibt unter anderem auch Aufschluss über geplante Anschaffungen von Energiewendetechnologien. Und hierzu zählt natürlich auch das Elektroauto. Das Fazit der Studie: Während heute nur knapp 2 Prozent der teilnehmenden Haushalte ein E-Auto besitzen, planen immerhin 16 Prozent die Anschaffung eines solchen. KfW Research hat in einer flankierenden Umfrage ermittelt, dass derzeit vor allem die noch lückenhafte Ladeinfrastruktur als Argument gegen den Kauf eines Elektroautos angeführt wird.

Licht für alle, Strom fürs Elektroauto

Apropos Ladeinfrastruktur: In London sollen bis 2020 weitere 1.150 Ladepunkte an bereits vorhandenen Straßenlaternen entstehen. Verantwortlich für den Umbau der Lampen ist unter anderem das Berliner Unternehmen Ubitricity mit Partner Siemens. Die Umrüstung von Laternen sei laut Ubitricity und Siemens vergleichsweise einfach und zeitsparend. Anwohner können nach dem Umbau ihre Elektroautos mit intelligenten Ladekabeln an den Masten aufladen. Ubitricity betreibt bereits 300 dieser Laternenladepunkte. Für den weiteren Ausbau, an dem neben Ubitricity sieben weitere Organisationen beteiligt sind, stellt die Stadt ein Budget von 3,7 Millionen Pfund bereit. (Quelle)

Laternenladesäule von Ubitricity und Siemens in der Londoner Innenstadt. Foto: © Ubitricity/Siemens

Dass die Stadt London den Umstieg auf E-Mobilität mit aller Kraft vorantreibt, zeigt auch der geplante Testlauf für ein komplettes Verbot von Fahrzeugen mit reinem Verbrennungsmotor. In dem Pilotversuch darf ab April 2019 der südliche Teil der Moor Lane nur noch von Elektroautos und Plug-in-Hybriden befahren werden. Grund: In den engen Straßen des historischen Stadtzentrums gibt es eine besonders hohe Abgasbelastung. Sollte der Test erfolgreich verlaufen, könnte das generelle Verbot auf weitere Straßen und Bezirke ausgeweitet werden. Fahrer von Benzinern und Dieselfahrzeugen müssen sich allerdings bereits ab September auf zeitlich begrenzte Fahrverbote einstellen. Neun Straßen in den Bezirken Hackney und Islington sollen dann zu den Hauptverkehrszeiten für Verbrenner tabu sein. Wer sich nicht daran hält, muss mit einer Strafe von umgerechnet ca. 140 Euro rechnen. (Quelle)

Ein Elektroauto zum Sturmgewehr?

Kommen wir eingangs versprochen zu den vielen Neuankündigungen im Bereich der Elektrofahrzeuge. Die Meldung, die vermutlich für das meiste Aufsehen in den letzten Tagen gesorgt hat, liefert der russische Waffenhersteller Kalaschnikow. Dort will man zukünftig nicht nur Schießprügel, sondern auch ein „elektrisches Superauto“ herstellen und damit nach eigener Aussage in direkte Konkurrenz zum US-Hersteller Tesla treten. Der jüngst auf einer Militärmesse vorgestellte CV-1 basiert in punkto Design auf dem Isch-2125 Kombi, einem der meistverkauften Familienfahrzeuge in der UdSSR. Unter dem schicken, hellblauen Retro-Kleid des Prototyps soll laut Herstellerangaben eine 50 Kilogramm schwere Batterie mit einer Kapazität von 90 kWh stecken. Maximale Reichweite: 350 Kilometer. Wann und zu welchem Preis das Elektrogeschoss auf den Markt kommen soll, gab Kalaschnikow noch nicht bekannt.

Elektroauto Kalaschnikow CV-1
Waffenhersteller Kalaschnikow steigt ins eMobility-Geschäft ein. Foto: © Kalaschnikow Media

Als direkter Wettbewerber für Tesla wird auch der Polestar 2 von Volvos gleichnamiger Elektro-Submarke gehandelt. Die für 2019 geplante, vollelektrische Limousine soll es direkt mit dem Tesla Model 3 aufnehmen und preislich zwischen 34.000 und 55.000 Euro liegen. Die weiteren Eckdaten: etwa 400 PS, 560 km Reichweite und ein gewollt bodenständiges, eher zeitgemäßes Design. Laut Polestar-Geschäftsführer Jonathan Goodman sei es ein Fehler, Fahrzeuge mit alternativem Antrieb futuristisch zu gestalten. Elektrofahrzeuge seien längst kein Nischenmarkt mehr und sollten deshalb auch nicht allzu experimentell, sondern einfach nur gut aussehen. (Quelle)

Elektroauto Polestar 2
Direkter Konkurrent für Tesla Model 3: die vollelektrische Limousine Polestar 2. Foto: © Volvo Cars
Klassisches Design, moderne Technik

Ein „gutes Aussehen“ lässt sich dem Jaguar E-Type zweifelsohne attestieren. Nicht ohne Grund haben Prinz Harry und seine Meghan die Stilikone aus den Sechzigern zum Hochzeitsauto auserkoren. Bei den royalen Feierlichkeiten im Mai war die elegante, 1968 gebaute Wildkatze allerdings nicht ganz serienmäßig unterwegs. Statt des brüllenden V12-Motors sorgte ein Elektro-Umbau von Jaguar Classics für eine flüsterleise Fahrt. Auf diese Transformation zum Elektroauto gab es im Nachhinein so viel Zuspruch, dass Jaguar Classics den vollelektrischen E-Type nun zum Verkauf anbietet – mit modernster Technik aus dem brandneuen I-PACE. Besitzer eines klassischen E-Type können ihren Wagen auf Wunsch auch umrüsten lassen – und zwar vollkommen reversibel. Technische Details und Preise für den E-Type Zero wurden noch nicht genannt, die Auslieferung soll ab 2020 erfolgen.

Elektroauto E-Type Zero von Jaguar Classics
Jaguar Classics legt die Ikone E-Type in elektrifizierter Form neu auf. Foto: © Jaguar Land Rover Ltd.

Mit dem Isetta-Klon Microlino steht ein weiterer automobiler Klassiker kurz vor der elektrifizierten Wiedergeburt. Das Schweizer Unternehmen Micro Mobility Systems hat den Kleinstwagen auf dem Genfer Autosalon 2018 präsentiert und dabei noch von einem Verkaufsstart in der zweiten Jahreshälfte gesprochen. Dieser Termin wurde jetzt allerdings nach hinten verschoben. Laut neuem Zeitplan des Herstellers soll die Serienproduktion nach einer Testphase im Dezember anlaufen. Anfang 2019 werden dann erst Schweizer Kunden bedient, ehe der deutsche Marktstart erfolgt. Die Basisversion des putzigen Zweisitzers soll mit etwa 12.000 Euro zu Buche schlagen und eine 8-kWh-Batterie mit 125 km Reichweite bieten. Alternativ wird auch ein größerer Akku zur Auswahl stehen, mit dem der Microlino 200 km am Stück packt. Die Maximalgeschwindigkeit liegt in beiden Fällen bei 90 km/h.

Elektroauto Microlino von Micro Mobility Systems
Micro Mobility Systems lässt die kultige Isetta wiederauferstehen. Foto: © Micro Mobility Systems AG
Vom Kleinstwagen zur Fahrkapsel

Mit nur 2,4 Meter Gesamtlänge eignet sich der Microlino wie auch ein Smart zum Querparken und besetzt damit deutlich weniger Parkfläche als ein herkömmlicher Pkw. Dass es noch deutlich kompakter geht, zeigt die Stehkapsel Bicar, entwickelt von der Share your Bicar AG, einem Unternehmen der Züricher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW). Die dreirädrige Konstruktion mit großer Fensterkuppel und Neigefahrwerk soll nach einer ersten Finanzierungsrunde zur Serienreife entwickelt werden und dann primär als Sharing-Vehikel für die erste und letzte Meile zum Einsatz kommen. Die Mischung aus Fahrrad und Auto bzw. Roller und Segway wird elektrisch auf bis zu 45 km/h beschleunigt und kann in Städten enorm viel Platz sparen. Bis zu acht Bicars passen laut der Erfinder auf einen herkömmlichen Pkw-Stellplatz.

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Noch auf der Suche nach zahlungskräftigen Investoren und Unterstützern ist die iEV1 GmbH. Das Düsseldorfer Unternehmen sammelt aktuell Geld auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter, um das Mini-Elektroauto iEV X auf den Markt bringen zu können. Hierbei handelt es sich um einen ultrakompakten Einsitzer, der sich bei Bedarf längs zum Zweisitzer auseinanderziehen lässt. Das schmale Elektroauto ist nur knappe 80 cm breit und 180 bzw. 220 cm lang. Mit einer Reichweite von 50 km und 45 km/h Höchstgeschwindigkeit in der Basisversion eignet sich das iEV X ähnlich wie das Bicar rein für den innerstädtischen Betrieb. Auch hier soll es eine potentere Version mit mehr Reichweite und höherem Spitzentempo geben. Besonderheiten des Ausziehvehikels sind ein Solarmodul auf dem Dach sowie einbaubare Pedale, um das iEV X im Notfall auch per Muskelkraft fortbewegen zu können.

Elektroauto iEV X
Der schmale iEV X bietet bei Bedarf einen zweiten Sitzplatz hinter dem Fahrer. Foto: © iEV1 GmbH
Bidirektionale Ladefunktion

Die Kraft der Sonne macht sich auch das Elektroauto Sion aus dem Hause Sono Motors zunutze. Der Sion kann wahlweise an der Steckdose oder über die in der Karosserie integrierten Solarzellen aufgeladen werden. Der Clou: Die gespeicherte Energie kann auf Wunsch auch mit anderen Fahrzeugen geteilt oder zum Betrieb bzw. zum Aufladen elektronischer Geräte verwendet werden. Damit Interessenten nicht die Katze im Sack kaufen, organisiert Sono Motors seit Monaten immer wieder Probefahrt-Events in vielen deutschen und europäischen Städten. Mit großem Erfolg. Mehr als 7.000 Reservierungen für den Sion sind beim Münchner Unternehmen bereits eingegangen, die Auslieferung des 16.000 Euro teuren Selbstladers (zzgl. Batterie) soll ab 2019 erfolgen. Weitere Herstellerangaben: 140 km/h Höchstgeschwindigkeit, 250 km Basisreichweite plus bis zu 30 km pro Tag durch Solarstrom.

Elektroauto Sion von Sono Motors
Echtes Sharing-Vehikel: Der Sion kann seinen Strom auch weitergeben. Foto: © Sono Motors GmbH

Im Gegensatz zum Sion von Sono Motors ist SVEN (Shared Vehicle Electric Native) noch nicht fahrbereit. Der kompakte Dreisitzer vom Aachener Startup Share2Drive soll erst nächstes Frühjahr auf dem Genfer Autosalon vorgestellt werden, Ende 2019 wird ein fahrbarer Prototyp erwartet. Beim Hersteller ist der Name Programm: SVEN wurde als vernetztes Elektroauto für geteilte Mobilität und kurze Distanzen konzipiert. Ganz nach dem Motto „Einfach zu bedienen – einfach zu reinigen – einfach zu warten“. Weiter heißt es auf der Website von Share2Drive: „Eine Schiebetür ermöglicht dem Fahrer das Aussteigen in engen Parksituationen. Die großzügigen Glasflächen sorgen für eine offene und helle Atmosphäre sowie perfekten Rundumblick. Der Innenraum ist für das Sharing und für die Nutzung bis zu drei Personen optimiert. Alle Bedienelemente sind auf ein Minimum reduziert und via Touch oder per Sprachsteuerung bedienbar.“

Eletroauto SVEN von Share2Drive
Bislang nur auf dem Zeichenbrett: Elektroauto SVEN von Share2Drive. Bild: © Share2Drive GmbH
Superlative statt Minimalismus

Springen wir nach so viel Klein- und Kleinstwagen noch einmal ans ganz andere Ende des Spektrums, raus aus der Stadt und rein ins Gelände. Das New Yorker Startup Bollinger Motors hat mit dem B1 Sport Utility Truck einen der ersten vollelektrischen Geländewagen entwickelt. Der kantige Offroad-Bolide, der an eine Mischung aus Land Rover Defender und der G-Klasse von Mercedes erinnert, soll Ende 2019 vom Band rollen. Laut Hersteller gibt es bereits 10.000 Reservierungen für den B1, der wahlweise 200 oder 320 Kilometer mit einer Ladung über Stock und Stein poltert. Weitere Eckdaten: Aluminium-Chassis, zwei Elektromotoren mit 360 PS und 472 Nm Drehmoment, elektronisches Sperrdifferenzial, höhenverstellbares Fahrwerk und über 2.200 kg Nutzlast.

Elektroauto B1 von Bollinger Motors
Der B1 ist einer der ersten vollelektrischen Geländefahrzeuge der Welt. Foto: © Bollinger Motors

Und für die Sportwagenfraktion mit dem Verlangen nach Geschwindigkeit haben wir abschließend auch noch eine Meldung: Und zwar hat Audi auf einer Messe im US-Bundesstatt Kalifornien kürzlich das Konzeptauto PB18 e-tron vorgestellt. Hierbei handelt es sich um einen Superflitzer irgendwo zwischen Kombi und Coupé mit drei Motoren (einer an der Vorderachse, zwei hinten), aus denen sich im Extremfall bis zu 774 PS und 830 Nm Drehmoment herauskitzeln lassen. Besonders interessant ist der seitlich verschiebbare Fahrersitz, der eine mittige Sitzposition ermöglicht, wenn kein Beifahrer an Bord ist. Physische Knöpfe und Schalter gibt es nicht, stattdessen wird das Cockpit-Design von Touch-sensitiven Bedienoberflächen und einem transparenten OLED-Display dominiert. Allerdings darf bezweifelt werden, dass der PB18 jemals in Serie geht. Vielmehr soll er wohl einen Ausblick auf Audis Sportwagen der Zukunft bieten.

Elektroauto Audi PB18 e-tron
Ein Supersportler von morgen? Der Audi PB18 e-tron mit drei Elektromotoren. Foto: © Audi AG

Titelfoto: © ubitricity Gesellschaft für verteilte Energiesysteme mbH

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