Mobility-News Oktober 2018 – Was bewegt die Welt?

Titelbild Mobility-News Oktober 2018

Von C wie Carsharing bis V wie Verkehrswende – wir fassen die aktuellen Entwicklungen im Mobilitätssektor zusammen. Und streifen dabei auch die Themen Digitalisierung, E-Vehikel, On-Demand-Fahrdienste und Smart City. Los geht’s!

Beim Thema Carsharing kommen einige spannende Meldungen aus der französischen Hauptstadt. Nach dem Aus für das hochverschuldete Elektroauto-Carsharing Autolib war es nur eine Frage der Zeit, bis andere Anbieter das entstandene Vakuum füllen würden. Bereits Anfang Oktober ist als erster Anbieter der Autohersteller Renault mit seinem neuen Free-Floating-Service moov’in.paris gestartet. Die zunächst noch überschaubare Flotte aus 100 Renault Zoe und 20 Twizy wird laut Angaben auf der offiziellen Website sukzessive erweitert, sodass bis Jahresende bereits mehr als 500 E-Fahrzeuge bereitstehen sollen. Zum Operationsgebiet von Moov’in.Paris zählt die gesamte Hauptstadt sowie die angrenzende Gemeinde Clichy.

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Konkurrenz für Renault kommt Anfang 2019 aus deutschem Hause. Daimler und car2go werden zunächst mit 400 vollelektrischen Smart EQ Fortwo in Paris starten und die nach dem Free-Floating-Konzept aufgestellte Flotte ebenfalls schrittweise „um einige hundert“ Fahrzeuge erweitern. Paris ist nach Amsterdam, Stuttgart und Madrid bereits die vierte Stadt, in der car2go eine komplett elektrische Fahrzeugflotte anbieten wird. Die Metropole biete laut Daimler genau die richtigen Voraussetzungen für ein Free-Floating-Carsharing. Dazu zählten neben der Größe und Bevölkerungsdichte der Stadt vor allem das gut ausgebautes ÖPNV-Netz. (Quelle)

Unterwegs auf zwei Rollen statt vier Räder

In vielen US-Metropolen gehören sie bereits zum Alltag, auch in Paris sind sie schon vertreten – nur in Deutschland dürfen E-Scooter aus verkehrsrechtlichen Gründen noch immer nicht betrieben werden. Dabei eignen sich die Tretroller mit Elektroantrieb doch hervorragend zur Überbrückung der ersten und letzten Meile, wie wir in einem früheren Blog-Beitrag bereits erörtert haben. Während die Bundesregierung deren Zulassung plant, aber noch immer keinen festen Zeitpunkt hierfür genannt hat, sind unsere österreichischen Nachbarn schon einen Schritt weiter. Mit Lime und Bird haben in Wien gleich zwei US-Unternehmen den Leihrollermarkt besetzt.

Im Falle von Bird sind es 100 Scooter, die seit Anfang Oktober im Stadtgebiet verteilt via Smartphone-App zur Miete bereitstehen. Um Missbrauch und Vandalismus auszuschließen, werden die Birds um 21 Uhr von einem mobilen Team eingesammelt, geladen, bei Bedarf gewartet und am nächsten Morgen um 7 Uhr wieder im Servicegebiet verteilt. Rechtlich eingestuft sind die E-Scooter wie Fahrräder. Das heißt, sie dürfen nur auf Radwegen und auf der Straße, aber nicht auf reinen Gehwegen gefahren werden. Ihre Höchstgeschwindigkeit liegt bei 24 km/h, eine Helmpflicht besteht nicht. (Quelle)

Bird E-Scooter
Die schwarzen Elektro-Tretroller von Bird sind jetzt auch in Wien zu finden. Sie werden jeden Abend eingesammelt, aufgeladen und bei Bedarf repariert. Foto: © Bird Rides, Inc.
Ein Stück vom großen E-Scooter-Kuchen

Das Geschäft mit den kleinen Flitzern wächst rasant. Nach der Übernahme des E-Bike-Sharing-Dienstes Jump bringt jetzt auch der omnipräsente Fahrdienstvermittler Uber Elektroroller auf die Straße. Während die Jump-Bikes bereits in zehn nordamerikanischen Städten verfügbar sind, erfolgte der Marktstart für die Jump-Scooter zunächst nur im kalifornischen Santa Monica, wo Konkurrenten wie Lime und Bird bereits mit großem zeitlichem Vorsprung agieren. Die Nutzung der Jump-Scooter funktioniert genau wie bei den Mitbewerbern, auch die Preisgestaltung ist ähnlich. Gebucht wird per Uber-App, nach der Fahrt können die Roller überall im Operationsgebiet abgestellt werden. Als Einführungsangebot und besondere Marketingaktion stellte Uber seine Jump-Roller innerhalb der ersten Woche nach Einführung kostenlos zur Verfügung. (Quelle)

Während Uber mit den Leihrollern in Kalifornien Neuland betritt, arbeitet der Konzern an der Ausweitung seines Kerngeschäfts in Deutschland. Ein erster Marktstart war anno 2014 gescheitert, weil der damals angebotene Service UberPop gegen das Personenbeförderungsgesetz verstieß. Dass Privatleute Fahrgäste mit dem eigenen Auto kutschieren, gehört daher heute nicht mehr zu Ubers hiesigem Angebot. UberX umfasst einen Mietwagen mit Chauffeur, bei UberGrün dient ein Elektroauto als Transportmittel. Obendrein vermittelt Uber hierzulande auch reguläre Taxis. Diese Services gab es bereits in Berlin und München, jetzt sind sie auch in Düsseldorf verfügbar. 100 Fahrzeuge, darunter 30 mit E-Antrieb, fahren in der Rheinmetropole seit dem 1. Oktober unter Ubers Flagge. (Quelle)

Der „BerlKönig“ reitet durch die Hauptstadt

Die preisgekrönte BVG-Kampagne der Berliner Verkehrsbetriebe gilt mit ihren frechen Werbebotschaften und schlagfertigen Social-Media-Postings als absoluter Sympathieträger des Unternehmens. Da war natürlich zu erwarten, dass man sich zum Einstieg in den Ridesharing-Markt etwas Besonderes einfallen lässt. Für die Kampagne zum neuen Angebot, dem „BerlKönig“, castete die BVG nicht nur die beiden Schauspieler Uwe und Wilson Gonzales Ochsenknecht, sondern zitiert treffenderweise auch Goethes „Erlkönig“, eines der bekanntesten Stücke der deutschen Literaturgeschichte. „Wer steht da so spät in Nacht und Wind? Es ist der Vater mit seinem Kind“ … das passt schon alles sehr gut zusammen, muss man sagen.

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Doch worum geht es bei dem neuen Service eigentlich? Der BerlKönig ist eine Ergänzung zum ÖPNV-Angebot der BVG. Er fährt freitags und samstags zwischen 17:00 und 05:00 Uhr innerhalb des östlichen S-Bahn-Rings sowie im Gesundbrunnen-, Michelangelokiez und im Komponistenviertel. Per gleichnamiger App bestellt, befördert der Dienst maximal sechs Fahrgäste für 1,50 Euro pro Kilometer zum gewünschten Zielort. Ein Algorithmus errechnet für die Fahrer Routen, auf denen alle Kunden die gleiche Zielrichtung haben. Vom herkömmlichen Taxi unterscheidet sich der BerlKönig dadurch, dass man als Kunde die Fahrt mit anderen Fahrgästen teilen muss. Zudem setzt die BVG mit dem neuen Angebot nach eigener Aussage viel stärker auf eine Verbindung mit dem ÖPNV als CleverShuttle oder Uber. Durch die gebündelten Fahrten soll der motorisierte Individualverkehr reduziert und eine zusätzliche Alternative zum Privatauto geschaffen werden.

Verkehrswende: kleine und große Maßnahmen

Die Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs ist ein Kernpunkt der in letzter Zeit vielzitierten Verkehrswende. Immer mehr Städte setzen daher auf verschiedenste Maßnahmen, um das PKW-Aufkommen zu mindern. Während Düsseldorf hunderte neuer Fahrradständer errichtet und hierfür teilweise auch Autoparkplätze umgestaltet (Quelle), könnte in Frankfurt das kostenlose Parken bald komplett wegfallen. Diesen radikalen Schritt zur Schadstoffreduzierung hat das Verwaltungsgericht Wiesbaden in einer schriftlichen Begründung zum Fahrverbortsurteil für Frankfurt vorgeschlagen. „Die Reduzierung beziehungsweise Abschaffung kostenlosen Parkraums dürfte zu einer erheblichen Abnahme des innerstädtischen motorisierten Individualverkehrs, insbesondere des Parksuchverkehrs, und somit zu einer signifikanten Minderung der NO2-Belastung führen […]“, heißt es in der Urteilsbegründung. Anwohner mit Bewohnerparkausweis und Schwerbehinderte sollen aber auch weiterhin kostenlos im öffentlichen Straßenraum parken dürfen. (Quelle)

Foto Cyclehoop Fahrradständer
Die auffälligen Fahrradständer von Cyclehoop stehen jetzt auch in Düsseldorf und zeigen den Platzbedarf Auto versus Fahrrad. Foto: © Cyclehoop

Neben der Parkraumreform ist auch das Verbrenner-Aus ein Dauerthema, wenn es um die Verkehrswende geht. Die EU-Umweltminister darauf geeinigt, dass die Autoindustrie bis zum Jahr 2039 weitere 35 Prozent Kohlendioxid im Vergleich zu 2020 einsparen muss. (Quelle) Passend dazu strebt nun auch die dänische Regierung ein Verkaufsverbot für Neuwagen mit Verbrennungsmotor bis zum Jahr 2030 an. Hybridfahrzeugen wird bis 2035 der Stecker gezogen, danach dürfen nur noch reine Elektro- und Brennstoffzellenautos neu zugelassen werden. Dänemark folgt damit den Ländern Norwegen (2025), Belgien, Island und Niederlande (2030) sowie Großbritannien und Frankreich (2040). (Quelle) Norwegen nimmt in dieser Aufzählung eine Vorreiterrolle ein, denn hier fährt bereits fast die Hälfte aller im September neu zugelassenen Pkw vollelektrisch. Zudem möchte die Regierung auch Flugzeuge und Fähren auf Elektroantrieb umstellen. Ab 2040 sollen Kurzstreckenflüge nur noch von E-Fliegern bewältigt werden. (Quelle)

„Respekt, wer’s selber macht“

Apropos Elektroauto – und damit noch einmal zurück zum Thema Carsharing: Der Autozulieferer Bosch steigt mit dem Elektrotransporter Streetscooter in den Carsharing-Markt ein. Kooperationspartner für einen ersten Testlauf ist die Baumarktkette Toom, deren Kunden ab Dezember 2018 die Streetscooter per App buchen und so auch größere Einkäufe bequem nach Hause transportieren können. Zusätzlicher Bonus: Dieselfahrverbote sind dabei ebenfalls kein Thema mehr. Allerdings ist die Aktion vorerst auf fünf Filialen in Berlin, Frankfurt, Leipzig, Troisdorf und Freiburg begrenzt. Bosch ist im Hinblick auf Sharing-Dienste übrigens kein unbeschriebenes Blatt. Mit Coup hat der Konzern im Jahr 2016 bereits einen Elektroroller-Leihservice aus der Taufe gehoben, der unter anderem in Berlin eine feste Instanz unter den neuen Mobilitätsangeboten darstellt. (Quelle)

Foto StreetScooter
Toom-Baumarkt-Kunden ausgewählter Filialen können ihre Einkäufe bald per elektrischem Sharing-Transporter nach Hause fahren. Foto: © StreetScooter GmbH

Ein ganz neuer Player auf dem Elektromarkt ist das Baseler Start-up Innolith. Das Energietechnologie-Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben an einer revolutionären Batterie, welche die zehnfache Lebensdauer von herkömmlichen Lithium-Ionen-Akkus haben und dabei nur ein Drittel der Kosten verursachen soll. Zudem könne der neue Energiespeicher weder brennen noch explodieren. Vor Innolith haben bereits zwei andere Start-ups an der Technologie gearbietet, doch ihnen ging das Geld aus. Im dritten Anlauf soll es jetzt mit finanziellem Support eines russischen Oligarchen klappen und die Produktion bereits 2020 in großem Stil laufen. (Quelle)

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Smart & Digital Mobility

Weil für die Mobilität der Zukunft nicht nur die Elektrifizierung, sondern auch die Digitalisierung eine tragende Rolle spielt, ist der Volkswagen-Konzern Ende September eine strategische Partnerschaft mit dem Software-Giganten Microsoft eingegangen. VW möchte ab 2020 jährlich über fünf Millionen vollvernetzte Autos auf die Straße bringen und wird dabei auf die Cloud-Dienste des Redmonder Unternehmen setzen. Gemeinsam möchte man die „Volkswagen Automotive Cloud“ entwickeln, in der alle digitalen Dienste und Angebote der Wolfsburger gebündelt werden. Ein Schwerpunkt der Technologie sei dabei auch der sichere Datenaustausch zwischen Fahrzeug und Cloud. (Quelle)

Volkswagen Automotive Cloud
Volkswagen arbeitet gemeinsam mit dem Software-Riesen Microsoft an der Volkswagen Automotive Cloud für die digitale Vernetzung von Fahrzeugen. Foto: © Volkswagen AG

Kommen wir abschließend vom vernetzten Auto noch zur vernetzten Stadt. Es klingt ein bisschen nach dystopischer Sciene Fiction à la Orwell, ist in Moskau aber bereits Realität: Mit „Gosuslugi“, einem Portal für staatliche Dienstleistungen samt zugehöriger App, werden nicht nur haufenweise Dienstleistungen zentral zugänglich gemacht, sondern auch allerlei Lebensbereiche überwacht. Quasi in Echtzeit bekommen Eltern beispielsweise die Schulnoten ihrer Sprösslinge aufs Smartphone übermittelt. Man erfährt, wann die Kleinen die Schule betreten bzw. verlassen und welche Snacks sie in der Pause gekauft haben. Mit Gosuslugi lässt sich der Strafzettel online bezahlen, ein Arzttermin ausmachen oder die Nebenkostenrechnung begleichen. Im Sinne der Effektivitätssteigerung bei der Verwaltung und einem immer bequemeren Leben werden die Einwohner der russischen Hauptstadt zu gläsernen Menschen.

Effizient, nachhaltig, sozial attraktiv

Und Gosuslugi ist erst der Anfang. Blockchain, 5G-Internet, künstliche Intelligenz – bis zum Jahr 2030 will Moskau zur vollvernetzten digitalen Stadt werden und folgt damit dem Beispiel von Singapur, der weltweit führenden „Smart City“. Schon jetzt gibt es in der Moskauer Metro freies WLAN, überall im öffentlichen Raum findet man Buchsen zum Laden des Smartphones, bargeldloses Bezahlen ist gang und gäbe. Zukünftig sollen alle Mobilitätsangebote der Stadt mit einer einheitlichen Bankkarte bezahlt werden können. Derweil wird die ganze Stadt seit gut einem Jahr von 160.000 Kameras mit Gesichtserkennung überwacht. Im Sinne der Sicherheit, versteht sich. Auch das scheint für die Mehrheit der Einwohner kein Problem zu sein. (Quelle)

Moskau City
Moskau ist auf dem Weg zur vollvernetzten “Smart City” – mit hocheffizienter Verwaltung, bequemer Mobilität, aber auch viel Überwachung und Datensammlung. Foto: Astemir Almov/Unsplash
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