Zukunftsvisionen: Mobilitätskonzepte von morgen

Mobilitätskonzepte von morgen

Carsharing, Ride-Pooling, attraktiverer ÖPNV, bessere Rad- und Fußweginfrastruktur – das sind alles wichtige Einzelbausteine einer umfassenden Verkehrswende. Doch was kommt dabei heraus, wenn man neue Mobilitätskonzepte deutlich größer denkt? Und dabei vielleicht auch die Grenzen des derzeit Machbaren sprengt? Im Folgenden schauen wir uns einige futuristische Studien und verrückte Ideen genauer an.

Autonom, modular, elektrisch – das sind laut der Homepage von future transportation inc. die Eckpfeiler des Systems NEXT. Das Mobilitätskonzept setzt auf selbstfahrende Module, die durch ihre hochbauende Form gut sechs Personen stehend oder sitzend transportieren. Zudem können die Module während der Fahrt aneinander andocken und ermöglichen dadurch die freie Bewegung der Passagiere durch die verbundenen Fahrzellen hindurch. Service-Pods, die ebenfalls unterwegs ankoppeln, versorgen die Fahrgäste mit Snacks und Getränken oder tauschen on-the-fly den erschöpften Akku eines Moduls aus. Lade- und Raststopps sind damit endgültig passé. Das System wurde aber nicht nur für den Personentransport, sondern auch die Warenlogistik erdacht. Funktionierende Prototypen der Module existieren bereits. Auf der EXPO 2020 in Dubai soll NEXT dann einem breiteren (und vermutlich gut betuchten) Publikum vorgestellt werden.

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Ein ähnliches Konzept verfolgt das Global Land Transportation System von ComplexTrans. Auch hier setzt man auf koppelbare, elektrisch betriebene Pods, die wahlweisen Fahrgäste oder Güter transportieren. Der große Unterschied zum NEXT-System liegt in der engen Verzahnung mit dem Schienenverkehr. Die Straßenvehikel sind so konstruiert, dass sie an Terminals in große Doppeldeckerzüge hineinfahren können. Lange Distanzen werden somit nicht auf der Straße, sondern der Schiene zurückgelegt. Im Gegensatz zu NEXT scheint das System von ComplexTrans aber noch in der Konzeptionsphase zu stecken. Die provisorische Homepage bietet im Download-Bereich immerhin eine ausführliche Präsentation der Ideen hinter dem Global Land Transportation System.

Mobilitätskonzept ComplexTrans
Gut kombiniert: Das Mobilitätskonzept von ComplexTrans setzt auf die enge Vernetzung von Straße und Schiene. Passagier- und Güter-Pods docken im Zug an. Bild: © ComplexTrans
Unten Auto, oben Bus?

Einfach über den Stau drüberfahren, wenn mal wieder nichts mehr geht. Nein, wir denken dabei nicht an einen Panzer oder Monster Truck, sondern an den Transit Elevated Bus, kurz TEB. Hierbei handelt es sich um einen überdimensionalen „Stelzenbus“, der dank seiner Katamaran-artigen Konstruktion auf Schienen fährt, die seitlich neben der Straße verlegt werden. Mit seiner Fahrgastzelle in 2,40 Metern Höhe fährt er – quasi als rollender Tunnel – oberhalb des fließenden (oder stehenden) Straßenverkehrs. Mit einer Breite von knapp 8 Metern und einer Länge von 38 Metern bietet der TEB bis zu 1.400 Passagieren Platz und soll damit die Anzahl der Staus in chinesischen Metropolen um 20 bis 30 Prozent reduzieren können. Der Entlastungseffekt gleiche dem eines U-Bahn-Systems bei deutlich niedrigeren Baukosten und wesentlich kürzerer Bauzeit.

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Das ungewöhnliche Mobilitätskonzept wurde bereits im Jahr 2010 auf Pekings International High-Tech Expo unter dem Titel „3D Express Bus“ präsentiert. 2016 hat man dann auf der Messe nicht nur ein funktionsfähiges Modell ausgestellt, sondern in der chinesischen Stadt Qinhuangdao auch eine 300 Meter lange Teststrecke errichtet. Im Juli 2017 kam dann allerdings das Aus für den TEB. Wegen Betrugsverdachts wurden der CEO sowie 31 weitere Mitarbeiter des Projekts verhaftet und die Schienen der Versuchsstrecke abgebaut. Seitdem ist es still geworden um den Stelzenbus, zumal scheinbar nie alle Zweifel an der Umsetzbarkeit des Konzepts aus dem Weg geräumt werden konnten.

Die Seilbahn – ein Mobilitätskonzept für die Stadt?

Über dem Verkehr gemütlich dahinschweben? Das könnte man nicht nur im Transit Elevated Bus, sondern – noch eine Etage höher – auch in den Gondeln einer Seilbahn. Bislang findet man sie zwar vorwiegend in bergigen Wander- und Wintersportregionen, doch könnten sie auch helfen, dem drohenden Verkehrskollaps und der Luftverschmutzung entgegenzuwirken. Sie fahren nahezu lautlos, sind sehr umweltfreundlich und haben eine für ÖPNV-Verhältnisse sensationell hohe Taktung. Bayerns Verkehrsministerin Ilse Aigner möchte Seilbahnen daher auch in den öffentlichen Nahverkehr integrieren. Erstes Planungsprojekt ist die „Seilbahn am Frankfurter Ring“, die auf einer Länge von 4,5 Kilometern drei U-Bahnhöfe miteinander verbinden soll. Hierzu will die Stadt München demnächst eine Studie zur Umsetzbarkeit in Auftrag geben. (Quelle)

Mobilitätskonzept Urbane Seilbahn
Eine Seilbahn in München? Sie könnte Lücken im ÖPNV-Netz schließen. Bild: © Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr. Darstellung bauchplan ).( 2018

Was in München erst noch geplant werden muss, gondelt in Berlin schon durch die Lüfte. Die Seilbahn zwischen der U-Bahnstation Kienberg und den „Gärten der Welt“ wurde für die Internationale Gartenausstellung 2017 gebaut und war mit über drei Millionen Fahrten während der IGA eine große Attraktion. Jetzt gehen jedoch die Nutzerzahlen stetig zurück und es stellt sich die Frage, ob die Seilbahn künftig bestehen bleibt soll oder nicht. Auch in der Hauptstadt denkt man über eine dauerhafte, vor allem tarifmäßige Integration der Bahn in das öffentliche Nahverkehrssystem der Berliner Verkehrsbetriebe nach (Quelle). Übrigens: Die Stadt mit dem weltweit größten urbanen Seilbahnnetz ist die Metropole La Paz in Bolivien. Acht Linien sind dort bereits in Betrieb, eine soll noch im Dezember 2018 dazu kommen, zwei weitere bis 2020. Die Gesamtlänge des Seilbahnnetzes beläuft sich dann auf stolze 33 Kilometer (Quelle).

Seilbahn La Paz, Bolivien
Seilbahn-Weltmeisterstadt La Paz: Die ungünstige topografische Lage der bolivianischen Metropole verhindert breite Hauptverkehrsstraßen.  Foto: © Empresa Estatal de Transporte por Cable “Mi Teleférico”
Mit über 1.000 Sachen durchs Vakuum

Ein Artikel über visionäre Mobilitätskonzepte kommt natürlich nicht ohne eine Erwähnung von Elon Musks Hyperloop aus. Das waghalsige Science-Fiction-Projekt des Tesla und SpaceX Gründers sieht vor, Passagiere in einer Kapsel mit Reisegeschwindigkeiten von über 1.000 km/h durch eine Vakuumröhre zu schießen. Die Pods fahren dabei nicht auf Rollen, sondern gleiten reibungsarm auf Luftpolstern, die von einem elektrisch betriebenen Kompressor erzeugt werden. Da Musk den Hyperloop als offenes, partizipatives Konzept angelegt hat, haben sich mittlerweile mehrere Start-ups der Weiterentwicklung verschrieben.

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Eines der erfolgversprechendsten Unternehmen ist Virgin Hyperloop One. Bis Mitte 2020 möchte das Unternehmen erste kommerziell genutzte Strecken bauen und in Betrieb nehmen. Geplante Routen sind beispielsweise Dubai – Abu Dhabi (VAE), Mumbai – Pune (Indien) und Los Angeles – Las Vegas (USA). Im Gegensatz zu Musks erstem Konzept gleiten die Pods von Virgin Hyperloop One nicht auf einem Luftkissen, sondern wie eine Magnetschwebebahn auf einem elektromagnetischen Feld. Im Dezember 2017 erreichte man auf einer Teststrecke in Nevada bereits eine Geschwindigkeit von fast 400 Stundenkilometern. (Quelle)

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Trotz erster erfolgreicher Tests hegen Experten immer noch große Zweifel an der Realisierbarkeit der Technologie. Finanzierbarkeit im großen Stil, potenzielle Vakuumlecks in der Röhre, Dekompression der Passagierkabine, Gefahren durch Erdbeben und Sabotage sowie Evakuierungsprobleme im Notfall sind nur einige der Hürden, die es hier noch zu überwinden gilt (Quelle). Doch egal ob autonome Mini-Pods, Stelzenbusse, Seilbahn oder Hyperloop – für die Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs in den Ballungsgebieten und der damit einhergehenden Entlastung von Mensch und Umwelt ist jede noch so abgedrehte Idee willkommen.

Titelfoto: Alex Knight, unsplash.com

  • Jiri Hofman
    20. November 2018 - 19:18

    Hallo Freunde

    Sie haben Projekt ComplexTrans erwähnt, Sie haben aber nur wenige Informationen veröffentlicht, die nicht zu genau sind.
    Darf ich die Beschreibung präzisieren?

    Aus Pilsen grüßt Jiri Hofman

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    • Marco Maccioni
      21. November 2018 - 12:11

      Hallo Jiri, natürlich darfst du gerne dazu etwas schreiben bzw. mehr Informationen liefern. Auch dafür ist unser Blog da 🙂 -Marco

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