5G: Der Schlüssel zu neuer Mobilität?

Ein Foto mit einer Vielzahl an Antennen, welches stellvertretend für Mobilfunk und 5G steht.
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Das Thema 5G ist derzeit in aller Munde. Doch was steckt eigentlich hinter der kryptischen Abkürzung? Wann wird die Technologie in Deutschland verfügbar sein und wie könnte sie sich auf die Mobilität von morgen auswirken? Wir haben recherchiert…

Kurzum: 5G ist der neuste Mobilfunkstandard und demnach Nachfolger der Systeme 4G (LTE), 3G (UMTS) und 2G (GSM). Auch wenn man sich nicht für die technischen Details seines Smartphones oder Handys interessiert, dürfte man als Nutzer dennoch schon über eine oder mehrere dieser Buchstabenkombinationen gestolpert sein. 5G soll jetzt mal wieder alles schneller und besser machen. Die Entwicklungsschwerpunkte des neuen Standards liegen auf einem extrem hohen Datendurchsatz, reduzierter Signallaufzeit (Latenz) sowie einem effizienteren Energieverbrauch. Zudem soll 5G dank einer hohen Systemkapazität die massive Gerätevernetzung ermöglichen.

Um hier ausnahmsweise ein Zitat aus der Politik aufzugreifen: „5G an jeder Milchkanne“ wäre dann also rein technisch denkbar. Dass das deutsche Mobilfunknetz auch mit den alten Standards so löchrig wie ein Schweizer Käse ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. In vielen Regionen ist heute noch nicht einmal ein unterbrechungsfreier „Handyempfang“ garantiert. Von mobilem Highspeed-Internet ganz zu schweigen. Dennoch scheint 5G aktuell DAS Hype-Thema schlechthin zu sein. Der Heilsbringer in Sachen Mobilfunk und Vernetzung.

Zukunftsmusik 5G

Bis März 2019 soll die erste Phase der 5G-Spezifikation abgeschlossen sein. Dann könnten erste kommerzielle Systeme an den Start gehen. Eine offizielle Einführung für Endkunden wurde ursprünglich für das Jahr 2020 avisiert. Dieser Zeitpunkt scheint aber zu optimistisch. Denn die neue Technik setzt einen massiven Ausbau der Netzinfrastruktur, Stichwort „Glasfaser“, voraus. Irgendwie müssen die immensen Datenmengen ja zu den vielen neuen 5G-Masten gelangen, die aufgrund der geringeren Reichweite von 5G im Vergleich zu LTE installiert werden müssen. Ganz klar: Ohne Glasfaser kein 5G!

Streng genommen ist also derzeit noch alles graue Theorie, die auf Feldversuchen und Forschungsergebnissen basiert. Immerhin, die anvisierten Leistungsdaten beeindrucken: 5G soll eine bis zu 100-mal höhere Datenraten als aktuelle LTE-Netze und damit Download-Geschwindigkeiten von bis zu 10.000 Mbit/s liefern. Weltweit sollen 100 Milliarden Mobilfunkgeräte gleichzeitig versorgt werden können und der Ping, also die Signallaufzeit, soll unter einer Millisekunde liegen. Alles absolut traumhafte, aus heutiger Sicht fast unvorstellbare Werte. (Quelle)

Offizielles Logo der 5G Technologie, schwarze Buchstaben 5 G und darüber drei grüne Wellen, die Funksignale symbolisieren.
Das offizielle 5G-Logo | © 3GPP 2018

Durch diese neuen Geschwindigkeitssphären ergeben sich natürlich auch ganz neue Anwendungsmöglichkeiten für Smartphone und Co., wie etwa hochauflösende Videotelefonie oder VR-Video-Streaming mit echtem 360-Grad-Rundumblick. Neben neuen Diensten zur Vernetzung von Menschen wird 5G auch für die Kommunikation von Maschine zu Maschine (M2M) immer wichtiger. Industrie- und Trendforscher gehen davon aus, dass schon ab 2020 weltweit mehr als 100 Milliarden Geräte im sogenannten „Internet der Dinge“, kurz IoT (Internet of Things), miteinander vernetzt sind. Vielleicht nicht unbedingt die oben erwähnte Milchkanne, aber Haushaltsgeräte, industrielle und landwirtschaftliche Maschinen, medizinische Geräte oder eben auch Verkehrsleitsysteme und Fortbewegungsmittel wie Fahrräder, Roller und Autos. Womit wir im „Bereich 5G und die Mobilität von morgen angelangt“ wären.

Vollvernetzt und autonom

An dieser Stelle möchten wir direkt mit einem Mythos aufräumen: Nein, autonome Fahrzeuge brauchen KEIN 5G, um zu funktionieren! Auch für Level 5 nicht (Erklärung der Autonomiestufen in diesem Beitrag). Die Falschmeldung tauchte in den letzten Wochen häufiger auf, auch bei renommierten Zeitungen und in Reden von Experten aus der Mobilfunkbranche. Man stelle es sich einmal bildlich vor: Selbstfahrende Autos, die bei Ausfall der Mobilfunkverbindung komplett ihren Dienst einstellen. Ein Horrorszenario. Und ein Märchen, erzählt von der Politik und den Medien.

Ein autonomes Fahrzeug nennt sich deshalb autonom, weil es ohne jegliche Unterstützung „von außen“ navigieren kann. Möglich machen dies moderne Sensoren und Kameras, welche die Umgebung rund um das Auto im Blick haben. Natürlich müssen die hierbei erfassten Daten blitzschnell verarbeitet und in Steuerbefehle umgerechnet werden, dafür braucht man aber zunächst kein 5G.

Bosch Daimler Infografik
Das autonome Fahrzeug ist dank modernster Sensoren und Kameras auch ohne 5G-Mobilfunkempfang voll funktionsfähig, wie diese Grafik veranschaulicht. Bild: © Robert Bosch GmbH

Die neue Mobilfunktechnologie kommt erst dann zum Tragen, wenn autonome Fahrzeuge miteinander oder mit Verkehrsleitsystemen kommunizieren sollen. Beispielsweise, um Stauinformationen in Echtzeit auszutauschen oder nachfolgende Wagen vor einem Hindernis oder Glatteis zu warnen. Doch auch dies ist nur ein Zusatzfeature und keine Anforderung, denn: Autonome Autos drängeln im Vergleich zu menschlichen Fahrern nicht, halten immer genug Sicherheitsabstand und passen sich automatisch den Gegebenheiten von Straße und Wetter an. Zudem sind bereits vorhandene Technologien wie LTE oder WLAN für die Car-to-Car-Kommunikation absolut ausreichend. Dennoch wird die Politik nicht müde, 5G in einem Atemzug mit Mobilität 4.0 zu nennen. (Quelle)

Deutschland, das ewige Funkloch?

Im Frühjahr 2019 werden nun die ersten 5G-Lizenzen versteigert. Bereits im Vorfeld entbrannte ein heftiger Streit zwischen Politikern, die eine flächendeckende Versorgung forderten, und den Mobilfunkriesen, die in einem Brandbrief an die Bundesregierung vor einer „extensiven Ausweitung der Versorgungsauflagen“ warnten. Eine 100-Prozent-Abdeckung auch in ländlichen Regionen sei „ökonomisch in keiner Weise darstellbar und rechtlich nicht haltbar“. (Quelle) Das Resultat: In den finalen Auflagen steht nichts von flächendeckend, ergo bleibt uns das Funkloch wohl auch im 5G-Zeitalter erhalten. Erneut hängt sich Deutschland in Sachen Digitalisierung selbst ab. Ein Glück, dass wir fürs autonome Fahren kein 5G brauchen.

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