Uber, das Schreckgespenst aus dem Silicon Valley

Abbildung von drei Smartphones mit jeweils unterschiedlichen Screens aus der Uber App.
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Von den Kunden geliebt, von Taxifahrern gehasst, im Silicon Valley vergöttert: Der umstrittene Fahrdienstanbieter Uber gerät seit Jahren immer wieder in die Schlagzeilen. In Deutschland agiert das US-Unternehmen nach mehreren Gerichtsurteilen nur noch mit einem abgespeckten Angebot. Durch die geplante Neuerung des Personenbeförderungsgesetzes können es Dienste wie Uber, Lyft und Co. bald wieder einfacher haben, ihre Services hierzulande anzubieten. Doch was bedeutet diese neue Art der Personenlogistik tatsächlich für Branche und Städte? Wir haben uns einen “Uberblick” verschafft…

Widmen wir uns nach dem schlechten Wortspiel zunächst einmal den Hard Facts: Uber wurde im Jahr 2009 von Garrett Camp und Travis Kalanick in San Francisco gegründet. Ursprünglich als Limousinenservice gestartet, ist Uber neben dem klassischen Taxi heute der weltweit bekannteste Fahrdienstanbieter zur Personenbeförderung. Uber versteht sich dabei als reiner Vermittler mit Plattformgeschäftsmodell, nicht aber als Mietwagenbetreiber mit eigener Flotte. Die Ausnahme bilden hierbei Ubers autonome Taxis. Nachdem man 2016 bereits selbstfahrende Taxis von Volvo im amerikanischen Pittsburgh testete, bestellte Uber Ende 2017 beim schwedisch-chinesischen Hersteller 24.000 weitere Fahrzeuge, die autonomes Fahren beherrschen. (Quelle)

Uber vermittelt Fahrten sowohl an Mietwagen mit professionellen Fahrern (UberX) wie auch an private Fahrer mit eigenem Auto (UberPop). Wer bereit ist, sich die Fahrt und damit auch die Kosten mit anderen zu teilen, greift zu UberPool. Hier wird der Kunde mit anderen Fahrgästen zusammengebracht, die in dieselbe Richtung wollen. Auf dieses sogenannten Ride-Pooling-Prinzip bauen in Deutschland auch die Dienste CleverShuttle, Berlkönig, ViaVan und Moia. In einigen Städten werden per UberTaxi auch reguläre Taxis vermittelt. Ganz neu im ständig wachsenden Angbot sind Essensauslieferungen (Uber Eats) und ein Bikesharing-Modell unter der zugekauften Marke JUMP. Alle Services werden über die Smartphone-App von Uber gebucht.

Zündstoff UberPop

Uber hat seit seiner Gründung immer wieder mit weltweiten Protesten, Verboten und Einschränkungen zu kämpfen. Der Wikipedia-Eintrag zum Unternehmen liefert hier eine ausführliche Aufschlüsselung der vielen Vorkommnisse. In Deutschland gibt es seit 2014 den Dienst UberTaxi, der in einigen Großstädten wie Hamburg und Berlin konzessionierte Taxis zum regulären Taxitarif an Kunden vermittelt. Das Modell ähnelt dem von myTaxi (bald FREE NOW) oder Taxi.eu und ist hierzulande weitgehend unumstritten.

Ganz anders verhält es sich mit UberPop. In den Jahren 2014 und 2015 entschieden mehrere Gerichte, dass der Dienst wettbewerbswidrig sei und die vermittelten Fahrer aufgrund der fehlenden Lizenz gesetzeswidrig Personen beförderten. UberPop wurde daraufhin Ende Mai 2015 in Deutschland komplett eingestellt und als Ersatz UberX in vier Städten (Berlin, München, Düsseldorf, Frankfurt) ausgerollt. Im April 2019 ist Köln als fünfte deutsche Metropole hinzugekommen. Im Gegensatz zu UberPop erfüllt UberX die hierzulande geltenden Gesetze der gewerblichen Personenbeförderung.

Foto einer Restauranttheke. Ein Fahrer holt gerade eine Tüte mit der Aufschrift Uber Eats ab.
Mit Uber Eats können Kunden per gleichnamiger App bei ihrem Lieblings-Restaurant bestellen. Der Service ist derzeit in 50 Städten, verteilt auf 13 Länder, verfügbar.  Foto: © Uber Technologies Inc.
Das deutsche Personenbeförderungsgesetz

Dennoch könnte das Geschäft für Uber und Co. bald deutlich leichter werden, denn Verkehrsminister Andreas Scheuer (CDU) plant eine Novelle des Personenbeförderungsgesetzes, kurz PBefG, um den Weg frei zu machen für neue Mobilitätsangebote wie Ride-Pooling und On-Demand-Dienste. Dies führte in den letzten Wochen zu heftigen Diskussionen zwischen Befürwortern und Gegnern dieser Angebote. Vor allem Taxiverbände gehen seitdem auf die Barrikaden, weil sie durch Uber und Co. eine massive Wettbewerbsverzerrung befürchten.

Ziemlich sicher ist, dass das Geschäftsmodell UberPop mit privaten Fahrern in Deutschland weiterhin illegal bleiben wird. Verkehrsminister Scheuer möchte aber unter anderem die gesetzliche „Rückkehrpflicht für Mietwagen“ aufheben. Diese betrifft aktuell noch den Dienst UberX und besagt, dass der Fahrer nach der Beförderung des Fahrgastes in die Zentrale zurückkehren muss und vorher keine neuen Passagiere aufnehmen darf. UberX-Fahrzeuge könnten also künftig wie Taxis agieren, hätten dabei aber deutlich weniger Auflagen. Beförderungspflicht, Ortskundeprüfung, Tarifbindung, Arbeits- und Pausenzeiten – alles Vorschriften, die (aktuell) nicht auf Uber zutreffen.

Noch mehr Stau durch Uber und Co.?

Die Idealvorstellung: Angebote wie Uber oder Lyft leisten ihren Beitrag dazu, dass Autofahrer ihren Privatwagen stehen lassen oder sich vielleicht sogar ganz davon trennen. Immerhin sind diese Angebote flexibler, bequemer und vor allem günstiger als das altgediente Taxi. Diverse Studien zeichnen allerdings ein düsteres Bild. Die neuen Fahrdienste würden den innerstädtischen Verkehr in US-Metropolen nicht entlasten, sondern sorgten zusätzlich für verstopfte Straßen. Bereits im letzten Jahr haben wir in einem Beitrag darüber berichtet. Denn es seien nicht die Autofahrer, die umsteigen, sondern diejenigen, die sonst mit den Öffentlichen, dem Rad oder per pedes unterwegs gewesen wären. Dies gelte teilweise sogar für geteilte Ride-Pooling-Fahrten. Im Hinblick auf die angestrebte Verkehrswende ein denkbar schlechtes Attest. (Quelle)

Solche Meldungen gab es bereits im letzten JahrEs gibt auch Analysen, die zu positiven Ergebnissen kommen, dennoch ist die zusätzliche Verkehrsbelastung nur eine von vielen ungünstigen Schlagzeilen, für die Uber in den letzten Wochen und Monaten gesorgt hat. Für den Börsengang am 10. Mai lockte Uber potenzielle Anleger mit vielversprechenden Wachstumsprognosen, warnte aber in seinem Börsenprospekt gleichzeitig davor, dass das Unternehmen vielleicht nie schwarze Zahlen schreiben könnte. Im Jahr 2018 erzielte man zwar einen Umsatz von 11,3 Mrd. US-Dollar, fuhr dabei aber 1,8 Mrd. US-Dollar Verlust ein. Dennoch hat Uber aktuell einen Börsenwert von 82 Milliarden US-Dollar.

Ein SUV von Volvo, der von Uber für Tests zum autonomen Fahren eingesetzt wird und unter einer Unterführung entlang fährt.
Uber hat im Jahr 2016 eine strategische Partnerschaft mit Volvo geschlossen. Mit den autonom fahrenden Autos will Uber einen Teil seiner Fahrer einsparen. Foto: © Uber Technologies Inc.
Viel schlechte Presse

Der Service von Uber bietet im Vergleich zum Taxi durchaus viele Vorteile. Bestellen eines Fahrzeugs per App ist kinderleicht, der Preis steht bereits vor Fahrtantritt fest und ist damit absolut transparent. Man wird an Ort und Stelle abgeholt, die Abrechnung ist unkompliziert und man muss nicht mehr mit Bargeld hantieren oder hoffen, dass der Fahrer Kartenzahlung überhaupt akzeptiert. Doch bei Uber ist längst nicht alles Gold was glänzt. Vor allem in den Tagen vor dem Börsengang sind Uber-Fahrer in Australien und Großbritannien auf die Straßen gegangen, um auf ihre schlechten Löhne und Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen. Doch das sind nur die Ausläufer des Shitstorms.

Sexismus, Diskriminierung, Mobbing im Unternehmen, bewusst angestachelter Konkurrenzkampf unter den Fahrern, vermeintlicher Technologiediebstahl, gestohlene Kundendaten sowie der Tod einer Frau durch einen autonomen Testwagen – wer die Google-Suche bemüht oder die Entwicklung von Uber in den letzten Jahren verfolgt hat, stößt auf reihenweise schlechte Publicity. Auch die intransparenten Preiseinpassungen bei hoher Nachfrage – Stichwort „Surge Pricing“ – stoßen vielen sauer auf. All das wirkte sich natürlich auch auf den Börsengang Ubers aus, der am 10. Mai 2019 erfolgt ist. Wie anfangs bei Facebook rangiert die Uber-Aktie mit einem derzeitigen Wert von ca. 37 US-Dollar deutlich unter dem Ausgabepreis von 45 US-Dollar. Aber dem kleineren Rivalen Lyft geht es nicht besser. Ende März 2019 Mit 78 US-Dollar gestartet, fiel der Wert der Aktie Mitte Mai 2019 bis unter die 50-US-Dollar-Marke.

Wie geht’s weiter?

Wie eingangs schon beschrieben, arbeitet Uber fortlaufend an der Erweiterung seines Angebots. Der Zukauf des Start-ups JUMP im April 2018 zeigt, dass Uber nicht nur zusätzliche Autos in die Städte bringen möchte. Tausend Stück der leuchtend roten Pedelecs wurden Anfang Mai dieses Jahres in zwölf Stadteilen Berlins ausgerollt. Die nach dem Free-Floating-Prinzip bereitgestellten Räder lassen sich mit einem Mindestalter von 18 Jahren für 10 Cent pro Minute ausleihen, wobei für das Reservieren und Aufschließen ein Euro fällig wird. Es ist davon auszugehen, dass das Leihradangebot auf weitere deutsche Städte ausgedehnt wird.

Langfristig möchte Uber Ride-Pooling, Mietwagen, Roller, Taxen und Fahrräder anbieten und in der eigenen App auch mit dem ÖPNV verknüpfen. Ob man dabei die Öffentlichen ergänzen oder doch eher ersetzen wird, bleibt abzuwarten. Eines muss man aber ganz klar anerkennen: Uber hat viel frischen Wind in das Geschäft mit der Personenbeförderung, speziell der angestaubten Taxibranche, gebracht. Bequemer als mit Uber kommt man in Metropolen wie New York kaum von A nach B.

Titelbild: © Uber Technologies Inc.

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