ADAC Mobility BarCamp 2019

Blick auf die Bühne und Leinwand im Hauptraum des ADAC Mobility Barcamps 2019 während der Begrüßungsrede durch den ADAC und insertEFFECT.
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Am 16. Juli 2019 fand in Nürnberg das ADAC Mobility BarCamp statt. Das Motto: Visionen teilen, Netzwerk(e) ausbauen, Ideen einbringen, spannende Impulse mitnehmen und gemeinsam die Zukunft gestalten. Wie schon beim Future Mobility Camp 2018 konnten sich alle Teilnehmer mit eigenen Beiträgen, Diskussionsthemen und Workshops rund um die Mobilität von heute und morgen einbringen. Wir waren vor Ort und schildern im Folgenden unsere Eindrücke dieses ereignisreichen Tages.

Nürnberg Digital Festival ist nur einmal im Jahr! Vom 12. bis 22. Juli war die Metropolregion erneut Pilgerstätte für die digitale Community. Das Festival, vormals als Nürnberg Web Week bekannt, verbindet seit 2012 Menschen, Unternehmen und Organisationen aus Wirtschaft, Technologie, Bildung und Kultur. In Diskussionsrunden, Workshops, Meet-Ups und anderen Formaten geht es um die zentralen Themen der Digitalisierung sowie deren Chancen und Auswirkung auf unser Leben. Eines dieser Themen: neue Mobilität. Die passende Veranstaltung dazu: das ADAC Mobility BarCamp im Museum für Kommunikation in Nürnberg.

Mehr als bloße Berieselung

Ideen pitchen, digitale Mobilität mitgestalten – beim AMBC waren vor allem die Teilnehmer und deren Input gefragt. Das offene Barcamp-Format richtet sich bewusst an alle – vom Branchen-Neuling bis zum alten Hasen, vom Zweirad-Fan bis zum überzeugten Öffis-Nutzer. Doch ehe der Session-Pitch und die offenen Diskussionsrunden starteten, sorgten insgesamt fünf Impulsreferate für die richtige Stimmung und Inspiration.

Auf der Leinwand ist ein Bild von ADAC Mitarbeiter Gerrit Pohl zu sehen. Er wurde per Skype live zugeschaltet und sprach über die Digitalisierung beim ADAC.
Skype-Vortrag: Gerrit Pohl vom ADAC München wurde live per Videochat zugeschaltet. Foto: © ADAC Nordbayern e.V.

Nach der Begrüßung durch die beiden Moderatoren Jürgen Hildebrandt vom ADAC Nordbayern e.V. und Andreas Fehr von unserer IT-Tochtergesellschaft insertEFFECT wurde zunächst Gerrit Pohl live per Skype zugeschaltet. Pohl ist Chief Digital Officer des ADAC in München und damit hauptsächlich mit der digitalen Transformation der „Gelben Engel“ beschäftigt. Er sprach über Technologie und zukünftige Mobilitätsangebote beim Allgemeinen Deutschen Automobilclub. Längst wird hier weitaus mehr geboten als der allseits bekannten Pannennotdienst und Fahrsicherheitstrainings.

„Vom Kutscher zum Mobilitätsdienstleister“ …

… lautete der Titel des Vortrags von Tobias Zuber von der VAG Nürnberg. Auch hier wurde in aller Kürze umrissen, wie sich das Unternehmen im Laufe der Zeit gewandelt hat und welche Chancen, aber auch Herausforderungen die fortschreitende Digitalisierung mit sich bringt. Zuber kümmert sich aktuell als Projektleiter um eine für das Jahr 2020 geplante VAG-Mobilitätsplattform, die im Rahmen des Referats grob vorgestellt wurde.

Ein im wahrsten Wortsinne bereits greifbares neues Mobilitätskonzept stellte im Anschluss Gerald Vollnhals von der Schaeffler Bio-Hybrid GmbH vor. Der einstige Govecs-Mitbegründer und Diplom-Physiker leitet heute das Schaeffler Spin-off und stellte bei seinem Vortrag „Die Welt wird Stadt“ mögliche Einsatzszenarien eines „Bio-Hybrid“ getauften Vehikels vor. Das kompakte Fahrzeug stellt eine Mischung aus Fahrrad und Kleinstwagen dar, ergänzt Muskelkraft mit einem Elektroantrieb und soll sowohl als Passagier- wie auch als Lastenfahrzeug eingesetzt werden können. Smarte Features und Connectivity sind selbstredend mit an Bord.

Foto das Schaeffler Bio-Hybrid in der Passagier- und Lastenvariante.
Zwei Welten: Der Bio-Hybrid in der Cargo- und Passenger-Variante. Foto: © Schaeffler Bio-Hybrid GmbH
„Mobilität, Macht & Menschen“ …

… sind das, was Anja Weber von insertEFFECT bewegt. Sie appellierte in ihrem Kurzvortrag an alle Player der Mobilitätsbranche, gedanklich endlich aus ihrer eigenen „Bubble“ auszubrechen und nicht immer nur den eigenen Betrieb, den eigenen Verbund oder die eigenen Stadtwerke zu betrachten. Denn während viele Anbieter keine Kosten und Mühen scheuten, um sich selbst mit dem coolsten Marketing als die beste Mobilitätsmarke darzustellen, sei es dem Endkunden oft völlig egal, wer ihn letztlich von A nach B befördert. Dementsprechend gelte es zu schauen, was „draußen“ überhaupt passiert und was die Menschen wirklich brauchen. Natürlich dürfe (und müsse) der lokale ÖPNV-Anbieter auch Werbung machen und sich präsentieren, aber bitte im Sinne der Nutzer. Und der wolle Zuverlässigkeit und Flexibilität auch über die Stadtgrenzen hinaus! Stichworte: vernetzte Mobilität und nachhaltige Plattformökonomie.

Abschließend übernahm Stephan Röß von der Continental AG die Bühne. Als Business Developer liegen seine aktuellen Forschungsschwerpunkte bei Themen wie dem autonomen Fahren, Blockchain, Künstliche Intelligenz, Micromobilität und Smart Grid. Dementsprechend handelte sein Vortrag hauptsächlich von möglichen Kombinationen dieser digitalen Technologien und dem Ziel, den Verkehr von morgen umweltfreundlicher zu gestalten.

We like to move it

Nach den Vorträgen und einem spannenden Session-Pitch ging es für uns dann in die erste Workshop-Runde. Unter dem Titel „Schaeffler Mover goes Nürnberg“ drehte sich hierbei alles um mögliche Einsatzszenarien der überaus wendigen, emissionsfreien und flexibel einsetzbaren Fahrzeugplattform des Automobilzulieferers aus Herzogenaurach. Nach einer kurzen Videopräsentation des vollautonomen Movers wurden in Kleingruppen sinnvolle Nutzungskonzepte für die Stadt Nürnberg erarbeitet. Sei es als Zubringer ins Umland, Uni-Shuttle oder Lieferfahrzeug für die Innenstadt – in Verbindung mit anderen Verkehrsträgern lässt sich der Mover äußerst vielseitig einplanen.

Infografik zur Mover Fahrzeugplattform von Schaeffler
Autonom, wendig, flexibel: Der Mover von Schaeffler bietet viele Einsatzmöglichkeiten. Infografik: © Schaeffler Technologies AG & Co. KG

„Wie können Mobilitätsstationen das eigene Auto überflüssig machen?“ fragten in unserer zweiten Session Emma Costa Argemi und Jennifer Reinz-Zettler von der Bayern Innovativ GmbH. Hintergrund: Im Rahmen eines EU-Projekts sollen in ausgewählten europäischen Städten (u. a. Kempten) sogenannte eHubs entstehen, an denen vom E-Lastenrad bis zum E-Carsharing verschiedenste Mobilitätslösungen angeboten werden. In diesem Zusammenhang stellt sich nun die Frage, wie solche eHubs attraktiv gestaltet werden können. Es gab reichlich Vorschläge wie genossenschaftliche Ansätze, modularer Aufbau zur schnellen Anpassung an die Auslastung, Abo-Modelle, analoge Bezahlmethoden, Integration von Paketstationen und Lebensmittelautomaten und und und. Besonders kreativ: Die Session-Geberinnen stellten im zweiten Teil des Workshops die Aufgabe, aus der Sicht von Elon Musk, McGuyver, Greta Thunberg und Mutter Theresa zu argumentieren. Hier war Querdenken gefragt.

Umsteigen!

Im dritten Time-Slot haben wir uns für die von Andreas Fehr  und Anja Weber (insertEFFECT) gehostete „Selbsthilfegruppe zur Mobilität“ entschieden. Diese beschäftigte sich Mobilitätsalternativen, die den Umstieg vom Privatauto auf andere Verkehrsmittel fördern sollen. Die Bestandsaufnahme zeichnete zunächst ein düsteres Bild. Deutsche Bürokratie bremst, die Politk blockiert, Alternativen sind umständlich und teuer und es gibt (zu) viele Letzte-Meile-Lücken. Zudem erschweren flexible Arbeitszeiten das Ride-Pooling, während das eigene Auto immer noch als Rückzugsort und identitätsstiftendes Statussymbol dient.

Mobilitätsverantwortliche von Adidas und Schaeffler stellten in der Session anschaulich dar, wie schwer es aktuell  immer noch ist, Alternativen zum Auto zu bieten und die Mitarbeiter auch von deren Nutzung zu überzeugen. Dennoch wurden auch viele Möglichkeiten aufgezeigt und Beispiele genannt, wo es anders läuft. Zum Beispiel in der Hauptstadt Berlin, wo neue Quartiere auch ganz ohne Parkplätze entstehen können. Es wurde über virtuelle Arbeitsplätze sinniert und einstimmig festgehalten, dass wir für eine Verkehrswende gemeinsam aus der Komfortzone herausmüssen.

Neue Mobilität zum Anfassen

Im vierten und letzten Slot stellten wir uns sodann einer „Mobility Challenge mit Elektro-Kleinfahrzeugen“ auf dem Parkplatz des Museums. Es galt dabei, einen abgesteckten Hindernis-Parcours in möglichst kurzer Zeit und mit möglichst wenig „Fehlern“ zu meistern. Das Gefährt? Der neue Metz moover der Metz mecatech GmbH aus Zirndorf. Das für einen E-Scooter recht bullige Gerät fährt sich zunächst etwas träger als die kompakte Konkurrenz von Egret oder Xiaomi. Dank der großen Räder bietet der moover aber auch deutlich mehr Laufruhe. Und so hat es der Autor dieser Zeilen geschafft, die zweitschnellste Zeit des Tages abzuliefern. Dafür gab es sogar einen Preis in Form eines Gutscheins für ein ADAC-Fahrsicherheitstraining. Wow!

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Da bei einem Barcamp immer mehrere Sessions parallel laufen und wir deshalb nicht überall teilnehmen konnten, kam das abschließende „Sum Up“ am Ende der Veranstaltung gerade recht. Hier gab es noch einmal eine kurze Zusammenfassung aller Sessions, wodurch man immerhin einen kleinen Einblick in die versäumten Workshops erhielt. Unter anderem ging es um Intermodalität und die Sicherheit im Verkehr (-> SUVs, geschützte Radwege), Gewinnung, Entwicklung und Verteilung von Energie(-arten) für E-Autos, digitale regionale Mobilitäts-Cluster, Verbraucherschutz in der vernetzten Mobilität (-> Datenschutz vs. Komfort), das Pendeln vom Umland in die Innenstadt und die Zukunft des ADAC als neutraler Mobilitätsdienstleister.

Unterm Strich also ein überaus spannendes, vielseitiges Programm. AMBC 2020? Wir sehen uns!

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Titelfoto: © Choice

 

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